Programm

Vier Länder West, das Programm:

Montag:
Wir radeln von Aachen nach Maastricht - oft hin und her über die belgisch-niederländischen Grenze. Die Strecke bietet einige dunkle Aspekte europäischer Vergangenheit, die bewusst werden lassen, woher wir kommen: Beharren auf Grenzen, Politik des Misstrauens und der Kriege. Aber schon damals gab es Entwicklung. Heute fahren wir wie selbstverständlich durch die Euregio Maas-Rhein.
Es ist auch ein Tag auf der Bergseite Belgiens und der Niederlande. Wir beginnen am höchsten Punkt bei Aachen, dem Dreiländerpunkt, an dem sich die Grenzen der beiden Königreiche mit der deutschen treffen. Im neunzehnten Jahrhundert gab es hier noch über hundert Jahre lang Neutral-Moresnet, ein vierter winziger Landstreifen, über dessen Nationalzugehörigkeit man sich beim Wiener Kongress 1815 nicht einigen konnte. Abwarten ist eben auch eine Möglichkeit, Frieden zu wahren…
Wie gut, dass es vom höchsten Punkt nur runter geht. Nahe des südlichsten Punktes der Niederlande wechseln wir später auf die hügelige Mergellandroute. Bei Margraten steuern wir einen der riesigen amerikanischen Soldatenfriedhöfe an. Abends sind wir in Maastricht, Niederlande.

Dienstag:
In Maastricht übernachten wir zweimal, haben also einen kompletten Tag in der Gegend. Das ist auch praktisch, denn wir brauchen nicht auf das Gepäck zu achten, wenn wir die Räder mal abstellen. Und: Ohne Gepäck auf den St. Pietersberg! Die morgendliche Radtour am Dienstag geht nach Eben-Ezer in Belgien. Dort hat ein Bergarbeiter, geschockt von den Ereignissen der Kriege, einen mit riesigen Figuren gekrönten Turm gebaut und sich mit dem Bösen in der Welt auseinandersetzt. Der Turm ist auch eines der wenigen Beispiele futuristischer Architektur. Die Befestigungsanlage Eben-Emael ist nicht weit entfernt: Bis zur Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht 1940 galt sie als größtes Fort der Welt. Und dann der St. Pietersberg: Blick über die Stadt und in den alten Mergel-Tagebau. Heute ein interessantes Naturschutzprojekt. Gegen Abend gibt es eine Stadtführung, auch um die Sache mit den EU-Verträgen noch einmal zu klären.

Mittwoch:
Von Maastricht fahren wir die Maas entlang zum wunderbaren Städtchen Thorn. Auf etwa 50 Kilometern ist die Maas hier Grenzfluss. Rechts und links gibt es je einen Schifffahrtskanal, einen belgischen und einen niederländischen. Die Grensmaas ist nämlich nicht schiffbar, sondern schlängelt sich mit sehr unterschiedlichem Wasserstand durch das Tal. Die kleinen Dörfer hier sind nicht nur gemütlich, geschichtsträchtig und hochwassergefährdet, sondern auch Teil des sehr aktuellen, grenzüberschreitenden und nachhaltigen Entwicklungsprojektes RivierPark Maasvallei.
In Thorn endet die Grensmaas, die Grenze knickt Richtung Meer ab. Hier wechselt die Flusslandschaft zur Seenlandschaft: die Maasplassen. Das Land hier besteht aus Sand und Kies, und der wurde hier in großem Stil für die Deltawerke am Meer abgebaut. Damals zum Schutz gegen Sturmfluten, heute gibt es noch viel umfangreichere Projekte gegen das Meerwasser wegen des Klimawandels. Es ist das inländische Wassersportgebiet und ideal zum Radeln. Kleine Fiets-Fähren verbinden das über die Seen gespannte Radwegenetz.
Abends sind wir dann in Thorn, einer kleinen sehr alten und denkmalgeschützten Stadt. Sie war über 800 Jahre lang das Zentrum eines Minifürstentum, das von Frauen, Äbtissinnen, regiert wurde. Dann kam Napoleon. Und dann der Wiener Kongress, bei dem Europa neu geordnet wurde. Aber das besprechen wir am Abend mit Aussicht vom Königsstein, einem der ältesten Naturschutzprojekte des Maasvallei.

Donnerstag:
Wir radeln auf die alte Maasinsel. Bei Ohé en Laak steht die höchste Mühle Limburgs und zweitausend Jahre alte versteinerte Bäume ragen in den Himmel. Der Nachbarort Stevensweert war Festung als die Spanier die Niederlande regierten. Rund um den Mühlenteich ganz in der Nähe gibt es einen Premiumwanderweg, Findlinge durch den See dienen bei schönem Wetter als Brücke. Hier gibt es schon erste Hinweise auf unsere nächste Grenzregion: Touristinformation des Naturparks Schwalm-Nette mit Sitz in Roermond. Das Panorama bestimmend steht das riesige Kraftwerk Maasbracht. Wir fahren hier über die Dreikammerschleuse, das Ende des Julianakanals parallel zur Grenzmaas, Richtung Roermond.
Zum Abend hin gibt es eine Stadtführung in Roermond auch mit dem Aspekt des Überfalls der Deutschen Wehrmacht auf die Niederlande. Roermond war eine der wenigen Städte, in denen einige Zeit militärischer Widerstand geleistet wurde.

Freitag:
Wir radeln von Roermond aus durch flaches Land zum westlichsten Punkt der Bundesrepublik bei Isenbruch. Hier in der Gegend sind nur knappe 5 Kilometer die Niederlande zwischen Belgien und Deutschland. Isenbruch liegt in der Gemeinde Selfkant, die 1963 von den Niederlanden an die  Bundesrepublik zurückgegeben wurde, weil die Annexionspläne doch nicht umgesetzt werden konnten.
Und letztlich fahren wir nach Eurode, der ersten symbolischen Europastadt. Beim Wiener Kongress 1815 wurden das niederländische Kerkrade und das deutsche Herzogenrath durch die neue Grenzziehung getrennt. Heute versuchen die niederländische Bürgermeisterin  und der deutsche Bürgermeister die Stadt gemeinsam zu entwickeln. Wir bekommen als Seminarabschluss eine Stadtführung zum Thema. Am Bahnhof Herzogenrath endet das Seminar. Wer mag, kann auch die restlichen 15 Kilometer durch das Wurmtal nach Aachen zurückradeln, wer nicht mehr mag, steigt in den Zug.
 

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Stand: Dezember 2019

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